Wie man die Universität und das Studienfach wechselt…

Gerade hat mein Studium begonnen, und zwar mein zweites. Ich habe an Weihnachten 2014 beschlossen, mein erstes Studium abzubrechen, obwohl ich mich bereits im fünften Semester (von acht) befand. An mein Praxissemester habe ich ein Urlaubssemester angeschlossen, in dem ich zurück nach Hause gezogen bin und habe mich intensiv damit beschäftigt, was ich alternativ zu meinem ersten Studium studieren möchte. Von Mai bis Juli 2015 habe ich mich an vielen Universitäten beworben und habe auch einige davon besucht, um mir selbst ein Bild von den Unis zu machen. So stressig und anstrengend diese Zeit auch war, heute bin ich froh, diesen Schritt gewagt zu haben. Denn aus der jetzigen Sicht habe ich meinen Wunsch-Studienplatz ergattert und kann mich nun voll und ganz ─ und glücklich ─ auf mein Studium einlassen. Wie genau ich vorgegangen bin und die Entscheidung zum Abbruch getroffen und durchgesetzt habe, möchte ich versuchen, zu erzählen. Im besten Fall hilft mein kleiner Erfahrungsbericht anderen, die auch an ihrem eigenen Studium zweifeln!

Außerdem gebe ich ein paar Tipps für Studienbeginner_innen!

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1.: Die unterbewusst bereits getroffene Entscheidung
erkennen, äußern und durchsetzen!

In meinem Fall war das so: Nach dem 2. Semester war mir klar, dass mir das Fach nicht so zusagt, wie ich gedacht habe. Ich wollte mich eigentlich für ein Praktikum bewerben und das Praxissemester vorziehen. Es war aber schon Sommer und zu spät, noch das Praxissemester zu beantragen, geschweige denn so schnell wie möglich einen passenden Praktikumsplatz zu finden. Also habe ich weiterstudiert, mit der Aussicht auf das fünfte Praxissemester. Meine Einstellung zum weiteren Studium habe ich auch zu Hause erzählt, sodass meine Familie später nicht völlig aus den Wolken fiel.
Besonders im zweiten und dritten Semester haben meine Leistungen Noten-technisch zu Wünschen übrig gelassen. Dann habe ich im vierten Semester die Kurve gekriegt und mich wieder mehr reingehängt ─ weniger für das Fach, viel mehr um mir selbst zu beweisen, dass ich gut studieren kann, wenn ich will. Dann kam endlich das fünfte Semester, in dem ich ein Praktikum gemacht habe. Da wurde mir klar: Ich MUSS etwas ändern. Die Aussicht, in den Studienort und zum Fach zurückzukehren war tatsächlich schlimmer geworden, als mein bisheriges Studium abzubrechen! An Weihnachten habe ich meine Entscheidung zu Hause mitgeteilt und zum Glück hatte ich die Unterstützung meiner Familie und Freunde auf meiner Seite. Dann habe ich den Schritt ins Ungewisse gewagt!

Ich bin, als meine Entscheidung schon getroffen war, auf ein sehr hilfreiches Buch gestoßen, das ich gern weiterempfehlen möchte: „Studienabbruch und Alternativen“ von Peter Piolot. Obwohl ich schon lang im Urlaubssemester war und wusste, dass ich mein erstes Studium abbrechen würde, habe ich mir das Buch gekauft und empfehle es jedem, der einen Ratgeber sucht, der genau in dieser Situation hilft und kein genereller Lebensratgeber für Motivationstipps oder Finden des Sinns des Lebens ist. ;)

studienabbruch und alternativen peter piolotIn dem Buch wird das Thema Studienabbruch intensiv behandelt und der Ratgeber bietet Entscheidungshilfen, wie man objektiv einschätzen kann, was sich mehr lohnt: Abbrechen oder Weitermachen. Es gibt viele Selbsteinschätzungstests und man wird sozusagen an die Hand genommen und immer wieder vor die Frage gestellt: Will ich wirklich abbrechen?
Dann geht es darum, welche Alternativen man hat; generell zum Studieren (z.B. Umstieg in die Arbeitswelt, und wie geht das dann überhaupt?) und was man alles beachten muss, wenn man einen Studiengang- oder Universitäts-Wechsel plant.

Selbst jetzt finde ich das Buch noch hilfreich, da es auch viele Tipps zum generellen Studieren enthält. Die kann ich auch für meinen Neustart nutzen. Schließlich versucht der Autor, dem Leser auch die Möglichkeit des Weiter-Studierens aufzuzeigen, daher sind Tipps für das „bessere“ Studieren enthalten.

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2.: Die nächsten Schritte abklären!

Wie genau soll es mit deiner direkten Zukunft weitergehen? Also nicht unbedingt mit einem konkreten Studiengang, sondern solchen Dingen wie: Brauchst du ein Urlaubssemester, und wenn ja, bis wann musst du das beantragen? Kannst du auf die Unterstützung deiner Eltern setzen (auch finanziell)? Was sind deine generellen Möglichkeiten: Willst du denn an deiner Uni bleiben und „nur“ das Fach wechseln, sodass du nicht umziehen musst und ggf. deinen Nebenjob behalten kannst, oder brauchst du einen kompletten Neustart?

Es lohnt sich auf jeden Fall, die (Rückmelde-)Fristen deiner jetzigen Uni im Auge zu behalten. Dann kannst du dich mit deiner unmittelbaren Zukunft auseinandersetzen. Ein Urlaubssemester erlaubt dir übrigens auch, an deine Uni zurückzukehren, falls du an deiner Wunsch-Uni keine Zulassung bekommst. Du kannst dich vor der Immatrikulation an der neuen Uni auch an deiner alten Uni zurückmelden, denn exmatrikulieren kann man sich immer, und du bekommst einen Teilbetrag der Semestergebühren auf jeden Fall erstattet. So natürlich auch, wenn du kein Urlaubssemester genommen hast, sondern nahtlos an das neue Fach anschließen möchtest.

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3.: Intensiv mit dem Studiumswechsel befassen,
sich für einen Studienplatz bewerben
und ggf. die Universität(en) besuchen.

Natürlich musst du dir irgendwie bewusst werden, welches Fach du eigentlich studieren willst. Vielleicht kannst du dir Leistungen aus deinem jetzigen Studiengang für deinen neuen Studiengang anrechnen lassen. Hierfür kannst du die neue Uni besuchen und zu einer Fachberatung gehen. Sie können dir mit einer Vorabauskunft dabei helfen, einen groben Überblick zu bekommen, ob und wie du deine Unterlagen einreichen musst, damit das Prüfungsamt dir deine Leistungen anrechnet.

Oder vielleicht soll es ein ganz anderes Fach werden? In manchen Bundesländern ist ein Selbst-Test sogar Pflicht für die Bewerbung und auf jeden Fall ein guter Anlauf-Start. Dazu habe ich auch schon einen Artikel geschrieben, den findest du hier. Diese Tests können dir anhand deiner Fähigkeiten und Interessen einen Studiengang anzeigen, der zu dir passt. Am Ende ist es auf jeden Fall wichtig, auf sein Herz zu hören.

Die Bewerbungsfristen sind an den meisten Unis für das Wintersemester der 15. Juli und für das Sommersemester der 15. Januar. Meistens kann man sich online bewerben und muss dann noch alle Bescheinigungen per Post an die Unis schicken. Ich habe mich an neun Unis beworben und bin sehr glücklich über die Rückmeldungen gewesen! Nur Mut! :)

Es kann auch helfen, sich bei einem Besuch vor Ort ein Bild von den verschiedenen Unis (und den Städten!) zu machen. Ich habe ein paar Unis besucht und konnte so guten Gewissens die Entscheidung für meine jetzige Uni treffen.

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4. Meine Tipps für Studienbeginner_innen*

*damit ihr das besser macht als ich damals…

  1. Das Modulhandbuch lesen. Das ist sozusagen das Handbuch für den jeweiligen Studiengang. Dort steht, was in welchem Fach gemacht wird und zum Beispiel auch die Prüfungsform. So kannst du auch herausfinden, ob dir das gleiche Fach an der einen oder an der anderen Universität mehr zusagt (z.B. mehr Methodik vs. mehr Praxis).
  2. Nicht direkt nach dem Abi anfangen. Das habe ich übrigens gemacht. Aber wenn man gerade erst vom Abi kommt und den ganzen Kopf eigentlich noch voll hat mit Funktionsgleichungen und auswendig gelerntem Mist, fällt es schwer, sich gleich „richtig“ zu entscheiden. Und in ein Studium reinzuschnuppern, ob es denn das richtige für einen ist, macht nicht wirklich viel Sinn, denn ein Studium benötigt wirklich viel Motivation und hat einen hohen Zeitaufwand. Du kannst bei einem Auslandsaufenthalt (oder Selbstfindungstrip) erst einmal rausfinden, wohin es dich zieht, auch beruflich. Du kannst dich auch gleichzeitig für ein FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) etc. und für einen Studienplatz bewerben, den du das Jahr über auf Eis legen und dann ein Jahr später garantiert antreten kannst (im Falle einer Zulassung natürlich).
  3. Dich umhören. Was sagen deine Familie und Freunde schon seit Jahren, was du gut kannst? (Und nicht: Was du werden sollst). Wenn du dir selbst unsicher bist, was deine Stärken sind, können die auch gut weiterhelfen!
  4. Deine unterbewussten Entscheidungen einsehen. Wenn du dich intensiv mit den Studiengängen und den Universitäten beschäftigst, wirst du rausfinden, wohin es dich zieht. Auf jeden Fall. Bei deiner Entscheidungsfindung können dir auch deine Familie und Freunde helfen, und zwar auch, wenn sie dir einen Vorschlag machen, den du ausschlagen kannst. So wird dir vielleicht bewusster, welche Entscheidung du wirklich schon selbst getroffen hast oder welches die beste Entscheidung für dich sein wird.

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Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Studien(gang)wechsel, dem Universitäts-Wechsel und der Studienwahl gemacht? Hinterlasst doch gern einen Kommentar! :)

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3 Gedanken zu “Wie man die Universität und das Studienfach wechselt…

  1. Pingback: Hochschule oder Universität? – NETTI WRITES

  2. Hallo Jean,
    ich habe gute Erfahrungen mit meiner Studienwahl gemacht. Ich habe gleich nach dem Abi begonnen und bin jetzt Ende September fertig geworden.
    Wünsche Dir viel Erfolg.
    Liebe Grüße
    Nancy :-)

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